
Nördlinger Gymnasiastin Amelie Kloster meistert zwei Runden der Internationalen ChemieOlympiade.
Beim Thema „Pilze“ denken die meisten Menschen an eine leckere Pizza Funghi oder ein schmackhaftes Schwammerl-Gulasch.
Doch weniger um die Kulinarik als vielmehr um besondere Eigenschaften von Pilzen ging es in der ersten Runde der 58. Internationalen ChemieOlympiade 2026. In verschiedenen Aufgaben, die ganz im Zeichen der Pilze standen, wurden Schwermetallionen in Pilzproben untersucht und entsprechende Reaktionsgleichungen aufgestellt oder die Energie eines Photons berechnet, die dann auftritt, wenn ein sog. biolumineszenter Pilz die Fähigkeit hat, Licht auszusenden.
Insgesamt 2400 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland haben sich mit diesen besonderen Aufgaben auseinandergesetzt, darunter auch die 18jährige Amelie Kloster, die derzeit die Q12 des Theodor-Heuss-Gymnasiums Nördlingen besucht. „Unsere Chemielehrerin hat uns im Unterricht den Wettbewerb vorgestellt, und ich fand das Thema ganz interessant“, erzählt die Schülerin, die sich dann im vergangenen Schuljahr intensiv mit dem unbekannten Chemiestoff beschäftigt hat. Unterstützt wurde sie dabei von Erika Wiedemann, ihrer Chemielehrerin, die ganz genau um die Herausforderungen der naturwissenschaftlichen Olympiaden weiß: „Da wird Stoff abgeprüft, der weit über den schulischen Lehrplan hinaus geht. Das verlangt von den Teilnehmern ein hohes Maß an Selbständigkeit und Lernbereitschaft“, erklärt sie. Amelie selbst bestätigt das: „Für die einzelnen Aufgabenstellungen habe ich viel recherchiert und unterschiedliche Quellen verglichen. Dabei durfte ich nicht nur das Internet nutzen, denn für eine der Aufgaben war explizit eine Buchquelle verlangt, die ich mir über die Uni besorgen musste. Insgesamt war es nicht gerade wenig Arbeit, mir alle Informationen zu den Themen selbst anzueignen und sie dann anzuwenden.“ Für diese intensive Auseinandersetzung mit der Chemie mussten ihre anderen Hobbies, Reiten, Acrylmalerei und Klavier, für einige Monate etwas zurückstecken. Doch der Fleiß der Oberstufenschülerin wurde belohnt; im November kam die Nachricht, dass sie sich mit ihrem Ergebnis von 68 Punkten für die zweite Runde qualifiziert hat. Darüber hat sich Amelie nicht nur gefreut: „Ich war auch etwas in Sorge. Denn zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass da eine dreistündige Klausur mit rund 30 Seiten Aufgaben auf mich wartet. Davor hatte ich natürlich Respekt“, macht die 18-Jährige deutlich.
Zur Vorbereitung auf diese herausfordernde Klausur gab es ein Übungsseminar, an dem Amelie online teilnahm. Hier wurden verschiedene Aufgaben einer Übungsklausur durchgesprochen. Über den Wettbewerb hat sie außerdem Bekanntschaft mit anderen chemiebegeisterten Schülern gemacht, mit denen sie sich dank der modernen Technik gut vernetzen konnte. So erzählt sie: „Wir haben uns einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, in der Informationen über den Wettbewerb, aber auch über Chemie generell ausgetauscht wurden.“ Das empfindet auch Erika Wiedemann als gewinnbringend: „Solche Möglichkeiten hatten die Teilnehmer vor zwanzig Jahren nicht.“ So lange ist ungefähr die letzte Teilnahme eines Nördlinger Gymnasiasten an der ChemieOlympiade her.
Das Ziel der bestandenen Klausur war für Amelie zunächst die dritte Runde, ein Auswahlseminar mit Vorträgen, Übungen und Klausuren in Göttingen. In der abschließenden vierten Runde sollte ein Vorbereitungsseminar mit Laborarbeit und Klausuren stattfinden, an dessen Ende dann das Nationalteam für Deutschland gebildet wird. Dieses tritt dann bei der internationalen Runde der ChemieOlympiade an, die in diesem Jahr von Usbekistan ausgerichtet wird.
Doch auch wenn die Nördlingerin die zweite Runde mit einem guten Erfolg abgeschlossen hat, hat es für den Einzug in die dritte Runde nicht ganz gereicht. Hier wurden die insgesamt 47 besten Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland eingeladen. Traurig ist Amelie darüber nicht; zum einen ist sie stolz, überhaupt so weit gekommen zu sein, zum anderen hat sie mit ihrer ersten Teilnahme wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Vermutlich nehme ich jetzt noch einmal teil, denn weiß ich besser, was auf mich zukommt, und kann mich noch gezielter vorbereiten“, sagt sie. Außerdem kann sie sich vorstellen, ihre Begeisterung für die Chemie zum Beruf zu machen, indem sie Biochemie oder Chemie auf Gymnasiallehramt studiert.
